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Jugendstrafvollzug in freien Formen – Das Seehaus Leonberg
Jugendkriminalität ist ein Problem, das die Öffentlichkeit immer stärker bewegt. Es müssen neue Wege gefunden werden, Jugendkriminalität konsequent zu bekämpfen. Prävention ist dabei unheimlich wichtig. Doch auch Jugendlichen, die schon straffällig geworden sind, müssen Wege aus der Kriminalität aufgezeigt werden. Im Seehaus Leonberg können Jugendliche ein neues Leben ohne Straftaten beginnen.

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Jugendkriminalität ist ein Problem, das die Öffentlichkeit immer stärker bewegt. Es müssen neue Wege gefunden werden, Jugendkriminalität konsequent zu bekämpfen.
Prävention ist dabei unheimlich wichtig. Doch auch Jugendlichen, die schon straffällig geworden sind, müssen Wege aus der Kriminalität aufgezeigt werden. Seit
2003 betreibt Prisma e.V. das Seehaus Leonberg – ein Modellprojekt für straffällige Jugendliche als Alternative zum Gefängnis.
Jugendliche, die bereit sind an sich zu arbeiten, können sich vom Jugendstrafvollzug aus für das Projekt bewerben. Nach Zustimmung des Anstaltsleiters verbringen
sie ihre gesamte Haftzeit im Projekt. Dort erwartet sie ein durchstrukturierter und harter Arbeitsalltag. Um 5:45 Uhr beginnt der Tagesablauf mit Frühsport. Bis
22:00 Uhr sind die Jugendlichen in ein konsequent durchgeplantes Erziehungsprogramm eingebunden. Hausputz, Schule, Arbeit, Berufsvorbereitung, Sport,
gemeinnützige Arbeit, Täter-Opfer-Ausgleich, soziales Training und die Vermittlung christlicher Werte und Normen sind fester Bestandteil des Konzepts. Sie
dienen dazu, dass die Jugendlichen lernen, Verantwortung zu übernehmen und sich als gesetzestreue Bürger in die Gesellschaft einzugliedern.
Das Projekt in Stichworten:
Kriminalprävention
Die Rückfalldelinquenz nach dem Jugendstrafvollzug ist sehr hoch. Um konsequenten Opferschutz zu gewährleisten und neue Straftaten zu verhindern, muss alles
getan werden, damit Jugendliche zur Verantwortung gezogen werden und auf ein selbstständiges Leben in Freiheit vorbereitet werden. Abseits von negativen
Einflüssen durch andere Straftäter im Gefängnis werden die Jugendlichen darauf vorbereitet, ihren Teil für die Gesellschaft beizutragen und sich positiv darin
einzubringen.
Wiedergutmachung
Im Seehaus Leonberg müssen die Jugendlichen beginnen, den von ihnen angerichteten Schaden wiedergutzumachen. In Seminaren und Gruppengesprächen werden sie mit
der Opferperspektive konfrontiert und werden aufgefordert, einen Täter-Opfer-Ausgleich durchzuführen. Durch gemeinnützige Arbeit leisten sie einen symbolischen
Ausgleich der Gesellschaft gegenüber.

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Das Prinzip Familie
Eine Mitarbeiterfamilie wohnt mit jeweils 5-7 Jugendlichen familienähnlich zusammen. Auf diese Weise wird Familienleben, das die meisten der Jugendlichen nicht
kennen, vorgelebt und vermittelt. Die Jugendlichen werden in eine Lebensgemeinschaft hineingenommen und haben einen engen pädagogische Bezug zu den Mitarbeitern.
Positive Gruppenkultur
Die Jugendlichen übernehmen Verantwortung füreinander und leiten einander an. Sie lernen, für andere da zu sein und sich gegenseitig zu helfen.

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Konsequentes Erziehungs- und Trainingsprogramm
In einem durchstrukturierten Tagesablauf werden die Jugendlichen konsequent gefordert. Sie müssen Leistung erbringen. Gleichzeitig werden sie in allen Bereichen
(Schule, Arbeit, Sport, Musik, ...) gefördert und können sich so später in allen Bereichen in der Gesellschaft einbringen.

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Schule und Ausbildung
In der Seehaus-Schule bereiten sich die Jugendlichen auf den Hauptschulabschluss vor und besuchen hausintern ein Berufsvorbereitungsjahr (Bau und Holz) oder
absolvieren das 1. Lehrjahr in den Bauberufen. Sie renovieren das 1609 von Schickhardt erbaute Seehaus, arbeiten auf verschiedenen internen und externen
Baustellen und bereiten sich auf eine Berufsausbildung außerhalb vor.
Vermittlung von Werten und Tugenden
Im Seehaus Leonberg vermitteln die Mitarbeiter christliche Normen und Werte. Auf dieser Grundlage aufbauend, werden Grundtugenden wie Fleiß, Ehrgeiz, Ordnung,
Disziplin, Höflichkeit, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Pflichtbewusstsein und Selbstbeherrschung abverlangt und eingeübt.
Bürgerschaftliches Engagement
Mit dem Seehaus Leonberg wird ein neuer Weg im Strafvollzug beschritten. Durch eine enge Kooperation von Landesregierung, einem gemeinnützigen Verein der
Jugendhilfe, der freien Wirtschaft, der Kirchen und vielen anderen gesellschaftlichen Gruppen entstand ein innovatives Konzept für einen modernen
Jugendstrafvollzug. Auch viele Einzelpersonen und Gruppen setzen sich ehrenamtlich im Seehaus Leonberg ein.
Nachsorge
Die Jugendlichen werden auch über ihren Aufenthalt im Seehaus Leonberg hinaus begleitet, z.B. durch Betreuung durch ehrenamtliche Paten, betreutes Jugendwohnen
und eine Verselbständigungs-Wohngemeinschaft.